Ladies: JAZZ..!
"Man sagt..!"
Ein Cabaret-Musical
2009 – 2024 Hort Productions
Dies ist ein ‚Cabaret-Musical‘, das im kleinen Rahmen den Gefühlsschwankungen dreier Frauen in einem so genannten ‚Powder Room‘ nachgeht. Diese Zimmer, unmittelbar vor Damentoiletten sind vor allem in den USA dazu da, damit Frauen sich nachschminken oder bloss mal den Augen aller Gegenüber entziehen können.
Lesung
Zum Stück:
Die Frauen sind grundsätzlich emanzipiert! aAber da liegt der Haase auch im Pfeffer. Das Ende von fast allen sozialen Spielregeln macht die Sache weder einfach noch einfacher:
Nuur ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, nicht in der gehobenen Gesellschaft aufgewachsen, die das Spiel der Männer schlicht besser spielt. Was sie allerdig nicht zu einem Mann macht..
Moira ist, oder eher war, ein ,Partygirl’ aus der besseren Gesellschaft und so mit genug Gel. Deshalb lebte sie sorg- und gefühllos in den Tag, aber nun ist etwas in ihr erwacht, womit sie nie gerechnet hat. Auch nicht damit, dass und wie sich die Dinge ändern können.
Ella, verheiratet mit 2 Kindern, bezeichnet sich als langweilig. Ihr Mann ist korrekt und ihre Kinder kein Problem.. Aber auch das wird nicht so bleiben.. Und auch sie ist nicht vorbeireitet, auf was da auf sie zu kommt!
Eigenständigkeit hat seine Vorteile, aber noch haben alle diese Frauen einen Fuss in den Inszenierungen ihrer Eltern und Grosseltern. Und diese Brüche definieren und fordern sie..
Wie zu erwarten sind die Dialoge schnell und frech und kreisen oft um Ungesagtes. Die Musik zeigt im Kontrast die Emotionen hinter der Fassade und bestimmt so den dramatischen Ablauf. Wie immer bei einer, Komödie ändert sich wenigstens vordergründig vor allem die Situationen und die Figuren versuchen den Druck auszuhalten und sich selbst dabei treu zu bleiben..
Ihre 3 Männer werden von einem Darsteller gespielt, der zunächst als Mann 1 vor der Türe stehen bleibt, als Mann 2 in den Powderraum sieht um ihn dann als Mann 3, sehr contra coeur, sogar zu betreten.. Das Finale ist dann sein grosser Moment..!
Die Musik, der Jazz der 40er und 50er Jahre, bezieht sich aus sich schon auf Brüche dieser Art. Mindestens afroamerikanische Frauen mussten sich diesen weit öfter stellen als sonst üblich. 3 der 5 Vorväter des Jazz waren schwul und mindestens Lorenz Hart ist an dieser Tatsache zerbrochen. Irwing Berlin, der wichtigste dieser weissen Komponisten, war Jude und konnte seine Frau bloss heiraten, weil ihr Vater in der Depression alles Geld verlor, was man von Berlin ja nicht sagen konnte. Sein ‚Alexander’s Ragtime Band‘ gilt 1911 als der Startschuss einer Musikform, weil er, was sich damals ‚Racemusic ‚und heute ‚Rhythm ‘n Blues‘ nennt mit jüdischer Theatermusik verbandelte und somit etwas Neues ‚mainstream‘ werden liess. Bis mindestens 1945 und Miles Davis blieb dies plus minus Amerikas Musik. Nach 1950 wandte sich selbst die Afroamerikanische ‚Community‘ zusehend dem Rock als Soul, Funk und R&B zu.
Historisch ist inzwischen die Unterteilung in Afroamerikanisch und ‚Kaukasischen‘ Jazz längst nicht mehr haltbar. Diese Unterteilung kam hauptsächlich von aussen, zum Beispiel von Radio Stationen. Als Benny Goodman 1938 für seine legendäres Carnegie Hall Konzert Afroamerikaner auf der Bühne holte, war das ein Skandal, allerdings nicht für die Musiker. Im ‚Great American Songbook’ sind die meisten dieser songs zusammengefasst.
Konzentriert sich ‚True Love‘ auf die Zeit von 1880 bis 1938, bedient sich ‚Ladies, JAZZ..!‘ bei der zweiten Hälfte von 1933 bis 1950. Diese Musik ist introvertierter und emotionaler, was sie für einen kleinen Raum spannend macht..
Dies erlaubt der Musik so die Entwicklung dieser Frauen und ihren Brüchen aufzuzeigen. in 6 Szenen über irgendwas zwischen 3 bis 6 Monaten verteilt, versuchen sie zusammen ihre Beziehungskisten in den Griff zu bekommen.. Wie bei allen Musical verdeckt eine sprichwörtliche ‚Patina der Freude‘, die Spass macht, Ab- und Hintergründe, was auch wieder Spass macht. Das macht das Ganze auf seine Art zeitgenössisch und das ohne eine Generation der anderen vorzuziehen. Wer Jazz mag, kommt auf seine Kosten und wer schon mal versuchte Beziehungen zu ordnen wohl auch..